You Can‘t Take It With You? Immigrant Assimilation and the Portability of Human Capital

Nachdem ich mich klausurvorbereitend durch diesen Artikel gelesen hatte, wollte ich auch anderen meine Zusammenfassung nicht verwehren. Vielleicht hilft’s ja für einen Schnelleinstieg …

In diesem Artikel untersucht Friedberg die Auswirkungen von Humankapital auf die Löhne. Neu ist an ihrem Ansatz die Unterscheidung zwischen ausländischer und inländischer Erfahrung (Experience) sowie Schuldung (Schooling). Ihre Daten erlauben dies, da der israelische Mikrozensus (im Gegensatz zum US-Amerikanischen) fortlaufend (in der Time-Series) das Jahr der Immigration beinhaltet und somit diese Rückschlüsse erlaubt.
Sie unterscheidet dabei zwischen drei Gleichungen (Thesen), welche sie anhand der OLS-Methode überprüft.

In der ersten Gleichung (5) werden jeweils inländische und ausländische Erfahrung sowie Schulungen aggregiert. Zusätzlich wird in einer Variablen der Effekt von YSM (Years Since Migration), also der zusätzlichen Schulung und Erfahrungen in Israel untersucht.
Diese Gleichung enthält drei restriktive Annahmen:

  • Der Effekt von inländischer und ausländischer Schulungen ist gleich
  • Der Effekt von inländischer und ausländischer Arbeitserfahrungen ist gleich
  • Der Effekt von inländischer Erfahrung sowie Schulung (YSM) ist für Einwohner und Immigranten gleich.

Sie formuliert die Gleichung so um, dass nun diese Restriktionen entfernt werden (7): sie desintegriert die Daten (Education, Experience, YSM).

Ferner soll untersucht werden, was für Auswirkungen ausländische Erfahrung/Schulungen auf die Returnrate von inländischer Erfahrung/Schulungen haben. Dafür modifiziert sie die Gleichung (8), sodass die Parameter (ED1 X ED2, ED1 X EXP2, EXP1 X EXP2) samt Koeffizienten berücksichtigt werden.

Die Ergebnisse einer Bestimmung nach (7) zeigen, dass der Wert von inländischer Schulung (+1%) und Erfahrung (+9%) signifikant höher ist, als ausländische Schulung/Erfahrung. Auch ist der Gegenwert inländischer Schulung an Ausländer 2% geringer als an Einwohner, der Gegenwert inländischer Erfahrung von Ausländern 0,5% geringer als bei Einwohnern. Somit werden die restriktiven Annahmen von (5) widerlegt. Interessanterweise werden Immigranten, gegeben der (mindere) Wert ihres Humankapitals, um bis zu 5% (Gleichung 7) bzw. 37% (Gleichung 8) bevorteilt – eine Diskriminierung der Einwohner findet statt. Die Regression nach Gleichung (5) ergibt noch den gegenteiligen Effekt: Immigranten werden hier um 25% benachteiligt.

Anschließend werden diese Daten in verschieden Herkunftsregionen aufgespalten (Table 5). Table 6 untersucht die inländische Humankapitalacquise (also nach der Immigration). Dabei wird klar, dass
inländische Erfahrung sowie Schulungen signifikant wertvoller ist (das wussten wir bereits)
inländische Schulungen insbesondere die ausländische Schulungen solcher Immigranten aufwertet, die aus Ländern mit schlechteren Bildungssystemen kommen (ED1 X ED2)
z.T. gibt es bei ED1 X ED2 negative Werte (bspw. bei West-Immigranten), was sich z.T. über negative Selektion erklären lässt (diejenigen, die sich in Israel erneut eingeschult haben, hatten diese Schulung eher nötig)
Diese ED X ED, ED X EXP etc Werte sind aber allesamt im Promillebereich und teilweise unsignifikant

Anschließend wird noch zugelassen, dass die Effekte von Bildung nichtlinear sind (sinkender Grenznutzen), und die Effekte unterschiedlicher Migrationszeitpunkte untersucht. Zusätzlich werden Lohnprofile auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse gezeichnet. Ich halte beides für minder wichtige Bereiche dieses Artikels.

Degrees Matter: New Evidence on Sheepskin Effects in the Returns to Education

Nachdem ich mich klausurvorbereitend durch diesen Artikel gelesen hatte, wollte ich auch anderen meine Zusammenfassung nicht verwehren. Vielleicht hilft’s ja für einen Schnelleinstieg …

In diesem Paper behandeln Jaeger und Page einen Teilaspekt der Signaling-Theorie, nach welcher man nach Bildung strebt, um seine „Produktivität“ zu beweisen. Mit Sheepskin(SS)-Effekten werden Effekte bezeichnet, bei welchen das Erreichen eines Abschlusses überdurchschnittlich hoch (im Vergleich zu einem weiteren regulären Jahr Bildung) vom Arbeitsmarkt bewertet wird.

Zum ersten Mal haben sie hierbei für einen Makrozensus sowohl die Anzahl der Schuljahre als auch die erreichen Abschlüsse der Individuen und können so deren Einfluss auf den Lohn genauer abstrahieren. Vorgänger mussten hier in bestimmten Schuljahren (6, 12 etc.) so genannte Knoten bilden, und diese Jahre mit einem Abschluss gleichsetzen. Dieses Verfahren führt natürlich zu Verzerrungen, weil nicht jeder eine Punktlandung auf einem Abschluss mit der jeweils erwarteten Schuldauer schafft.

Zusätzlich wurden auch Unterschiede zwischen den SS-Effekten auf weiße sowie schwarze Frauen und Männer untersucht. Die Theorie sagt, dass die SS-Effekte dann höher seien sollten, wenn das relative Signal stärker ist. Das relative Signal ist dann besonders hoch, wenn man von den ungebildeten Arbeitskräften keine hohe Produktivität erwartet. Dementsprechend sollten im Amerika der 90er Jahre – sofern der Rassismus noch signifikant war oder Afroamerikaner generell aufgrund von Slumbildung und schlechter Lebensumgebung unproduktiver waren – die SS-Effekte höher sein als bei weißen Amerikanern.

Die wichtigsten Ergebnisse im Vergleich zu den älteren Studien:

  • Ein Bachelor‘s Degree hat signifikante SS-Effekte von bis zu 31%
  • SS-Effekte erklären 1/4 des Lohns bis zum 16. Bildungsjahr
  • Es gibt keine großen Unterschiede bei den SS-Effekten zwischen Schwarz und Weiß für College- und Highschoolabschlüsse.
  • Es gab in der Stichprobe weniger weiße Frauen und Schwarze, dies könnte die Ursache dafür sein, dass die SS-Effekte mit Master- und Professorenabschluss großer sind.

Zusammenfassend:

  • Es gibt signifikante Abschluss-Effekte für alle Post-Secondary Diploma für zumindest einen Teil der Bevölkerung
  • Bachelor und Post-Graduate Abschlüsse werden vom Markt mindestens genauso stark präferiert wie die damit verbundenen Jahre an Ausbildung. Die SS-Effekte sind hierbei stärker in den Abschlüssen als den jeweiligen Jahren der Ausbildung.
  • SS-Effekte größer bei Inbetrachtnahme der Diploma (anstelle der Knoten)
  • Nur geringe Zeichen dafür, dass SS-Effekte unter Geschlecht und Rasse verschieden sind
  • Stärke des SS-Effekts variiert im Typ der Ausbildung.

TeXShop und mehrfaches kompilieren

Nachdem ich für das Glossar einer Seminararbeit bemerkte, dass TeXShop mit dem Befehl MakeIndex Probleme hat (“could not find …..idx”), habe ich online eine sehr praktische Abhilfe gefunden: durch das Kopieren und Instandsetzen einer vorgefertigten Engine-Datei kann man das lästige Mehrfachkompilieren von Latex, BibTex, MakeIndex, Latex, Latex sich sparen: diese Engine übernimmt alles. Todschick!

LSE Podcast von Prof. Lee Olinger zum Thema Presse- und Meinungsfreiheit

Und wieder einmal bewerbe ich hier einen Podcast der iTunes U Serie der London School of Economics: der Vortrag von Professor Lee Olinger der University of Columbia, welcher sich u.A. mit der Thematik Pressefreiheit und Globalisierung befasst und einem die amerikanischen Geschichte der Presse- und Meinungsfreiheit sehr gut zusammenfasst.

Einige der Forderungen insbesondere bezüglich der Stärkung der staatlichen Unterstützung für Presse aber auch an eine Anpassung der aktuellen gesetzlichen Lage bzgl. der Pflicht des Staates, bestimmte classified Dokumente der Presse zugänglich zu machen, erlangen unter der derzeitigen Wikileaks-Affäre eine neue Aktualität.

Prof. Lee Olinger: Unhibited, Robust and Wide-Open: a free press for a new Century

Masterzulassungsproblem an der Uni Köln

Am gestrigen Donnerstag gab es Informationsveranstaltung, organisiert von der WiSo-Fachschaft, zur aktuellen Problematik der Masterplatzvergabe: die Masterplätze wurden nur über den Bachelor-Schnitt vergeben, was zu einer de-facto Benachteiligung der Kölner Studenten mit ihren anspruchsvolleren Professoren und schlechteren Noten führte.

Das wichtigste zusammengefasst: die Uni darf gesetzlich nicht Bachelornoten gewichten (z.B. von anspruchsvolleren Unis hochsetzen) – de jure sind alle Bachelorabschlüsse gleich (sic!) zu bewerten, was zu einer krassen Bevorteilung Studenten anspruchsloserer Universitäten führt, von FHs ganz zu schweigen.

Die WiSo-Fak hat versucht, dies durch eine intensive Profilierung der Masterfächer und hohe Kriterien auszugleichen, sodass viele allgemeine Studiengänge für eine Weiterbildung bei uns nicht reichen. Z.T. mit Erfolg: es gab insgesamt nur ca 1200 (Zahlen aus dem Kopf) legitime Bewerber auf einen M. Sc. – viel geringer als anderso. Von diesen waren 16% der Uni Köln, 35% der 225 Plätze wurden an diese vergeben.

Subjektive Kriterien wie ein Motivationsschreiben, bei welchem die Uni Kölner Studenten bevorteilen könnte, wurde vom Studiendekan mit der Begründung abgelehnt, dass die Verfahren nachvollziehbar sein müssten und sich dann andere Studenten einklagen könnten, wenn die Vergabe nicht sicher genug sei. Dass eine Klagewelle z.B. bei der Uni Münster bisher nicht passiert ist, wurde mit einer geringen bisherigen Absagequote begründet – auch kann ich diesen Punkt nachvollziehen – wer will schon zum Master nach Münster? Zumindest im Vergleich sollten in der schönsten (Party-)Stadt Deutschlands mit einem großen Renommee in Management und Economics die Anreize zum Klagen höher sein.

Relative Noten könnten die Misere zum Teil etwas insofern ausgleichen, als dass die Noten in Relation zum Schnitt gesetzt werden – als Ergebnis hätte man allerdings z.B. von allen Unis die X% besten – und dass es für die Kölner 10% fair wäre, mit den Kölner FH 10% gleichgesetzt zu werden, ist sehr fragwürdig. Und den notwendigen Schritt, die Notenschnitte zu gewichten, weiterzugehen, darf man ja nicht …

Zusätzliche Testverfahren sind eine Möglichkeit, allzu schlechte überbewertete Studenten von Unis wie z.B. Siegen *fg* auszusieben – allerdings hat die Universität hier versagt: vor vier Jahren wurde das Problem schon befürchtet (so der Studiendekan), allerdings hat man es nicht bisher geschafft, einen zufriedenstellenden Test erstellen zu lassen, der den Regularien (insbesondere maximalen Kosten von 100,- EUR pro Bewerber) gerecht wird. Dies soll nun aber bis zum nächsten Jahr passieren.

Auch der N.C. wird vermutlich dabei eine größere Rolle spielen – da die Uni Köln schon beim Bachelor höhere Abischnitte fordert, kann man hier wohl einen größeren Teil fremder schlechter Studenten aussieben, auch wenn der Abiturschnitt natürlich auch kein sehr faires und gutes Auswahlkriterium ist.

Für den aktuellen Bachelorabschluss-Jahrgang ist das natürlich alles vergebens, die Ärmsten müssen hoffen, über das Nachrückverfahren noch reinzukommen. Die zweite Runde wird wahrscheinlich, das konnte man indirekt heraushören, früher als geplant und mit einer höheren Überbuchungsrate eingeläutet. Nichtsdestotrotz werden sich die benötigten Bachelor-Endnoten wohl in den meisten Schwerpunkten nur um eine Dezimalstelle verändern. Eventuell wird man auch seinen Rang auf der Warteliste sehen können, auf den Vorschlag wurde verhalten reagiert: ob die Uni dies nicht will oder technisch nicht kann, war nicht festzustellen.

An dieser Stelle möchte ich noch etwas Werbung für einen eigenen Vorschlag machen: bisher werden 80% der Punkte zum Bewerbungsdatum verlangt. Wenn man diese Quote auf 100% erhöht und die Bewerbungsfrist Mitte Juli hält, kann man zumindest die Sommersemester vieler anderer Anstalten von unserer Uni fernhalten: nur die wenigsten (besten, klügsten) werden wohl ein ganzes Jahr auf ihren Versuch im nächsten Jahr warten.
Hierfür müsste man natürlich die Bachelorarbeiten früher schreiben (und vor allem bewerten) lassen, was zu einer höheren Belastung insbesondere in der BWL führen wird. Auch muss man die Korrekturprozesse in der Hinsicht verbessern, als dass der Grund “bin im letzten Semester” ausreicht, um die letzten Klausuren vor der Deadline korrigiert zu bekommen.

Das sollte natürlich nicht von den einzigen systemrelevanten Korrekturen ablenken: langfristig müssen sich die Notenschnitte der Universitäten anpassen, damit wir Kölner auch bei anderen Unis Chancen haben – denn natürlich darf man dort auch nicht bevorteilen, so blauäugig diese Forderung auch klingen mag. Dann ist auch die realitätsfremde politische Forderung, die Bachelornoten gleich zu bewerten, nicht mehr so sinnbefreit. Aber ob uns das noch helfen wird? Wie Keynes schon sagte: in the long run, we’re all dead!

 

Interaktive Modelle der Makroökonomik

Im Rahmen der Tutorien der Makro stellt die Universität St. Gallen Flash-Applikationen zur Verfügung, mit welchen diverse Modelle mit variablen Rahmenbedingungen testen und untersuchen kann.

Das ganze findet sich hier und ist definitiv einen Blick wert.

Angriff auf die Zukunft – Roland Kochs Wette

In Artikel für die Frankfurter Allgemeine betont Frank Schirmacher frappierende Ergebnisse einer Studie des Max-Planck-Instituts zur Demographie und verknüpft diese mit der aktuellen polarisierenden Aufforderung Roland Kochs, keine Tabus bei den Einsparungen zu haben. Einer der Hauptpunkte: da bald 30% der Wahlberechtigten über 60,- Jahre alt sind, folgt Koch nur ihren Wünschen, und diesen ist die Jugend – ganz platt ausgedrückt – relativ egal.

Wenn man die Gedankengänge des Artikels (und besonders der vorliegenden Studie) weiterspinnt, erstaunt es einen, was für ein geringes Medienecho es bei Bekanntmachung ebendieser gab – es fröstelt einen.

Zum Artikel

ZEIT ONLINE – Die Lage der Fed

Conrad Mattern beschreibt in seinem aktuellen Artikel Fed-Check Bernanke sucht Ausweg aus Inflationsfalle die Zwiegespaltenheit des Fed-Stabs was die Problematik einer drohenden Inflation angeht. Der Artikel ist zwar nicht wirklich gehaltvoll, nichtsdestotrotz eine interessante Kurzzusammenfassung der Lage und somit als Pausenfüller empfehlenswert.

FAZ.NET – Kaufverhalten

Patrick Bernau fasst in seinem Artikel Wenn unsere Vorlieben sprechen könnten für die Frankfurter Allgemeine aktuelle Erkenntnisse der Behaviour Economics zusammen. Besonders betont wird dabei die Irrationalität des Kaufverhaltens, besonders beim spontanen Kaufverhalten. Auch über die Wirkung von verschiedenen Gefühlslagen beim Kaufen wird “philosophiert” – denn sehr weit sind Verhaltensökonomien noch nicht – leider. Denn viele Ökonome suchen hier und in anderen mikroökonomischen Modellen die Antwort für krasses Versagen der Märkte – auch bei der letzten Krise.

Der Artikel ist ein interessanter Lückenfüller für zwischendurch.


Hans-Werner Sinn: Kasino-Kapitalismus

Seit einer Woche lese ich nun bereits an Sinns Buch über “Wie es zur Finanzkrise kam, und was jetzt zu tun ist”. Es ist hervorragend geeignet für erste Semester der Wirtschaftswissenschaften, um ein tiefergehendes Verständnis für den Kollaps der gesamten Finanzbranche sowie den weiteren Verlauf der Krise zu bekommen.

Mit hervorragend tiefgehenden Blicken in das Finanzsystem, zeigt er, wieso keiner der Wirtschaftsakteure versagt hat, sondern falsche Anreize und fehlerhafte Spielregeln die Grundschuldigen sind – so z.B. auch, dass amerikanische Banken aufgrund von Diskriminierung verklagt werden konnten, wenn sie Insolventen oder Arbeitslosen die Finanzierung eines Eigenheims verweigerten.

Kasino-Kapitalismus ist wunderbar zu lesen, komplexe Inhalte und Produkte insb. der Finanzbranche werden leicht vermittelt, sodass der Leser selbst die Interdependenzen und Reaktionen nachvollziehen kann. Insbesondere Sinns fatale Analyse der Haftungsbeschränkungen und ihrer Folgen sind Erkenntnisse, welche ich jedem Studenten der Wiwi nur wärmstens empfehlen kann – lesenswert!

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