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Masterzulassungsproblem an der Uni Köln

Am gestrigen Donnerstag gab es Informationsveranstaltung, organisiert von der WiSo-Fachschaft, zur aktuellen Problematik der Masterplatzvergabe: die Masterplätze wurden nur über den Bachelor-Schnitt vergeben, was zu einer de-facto Benachteiligung der Kölner Studenten mit ihren anspruchsvolleren Professoren und schlechteren Noten führte.

Das wichtigste zusammengefasst: die Uni darf gesetzlich nicht Bachelornoten gewichten (z.B. von anspruchsvolleren Unis hochsetzen) – de jure sind alle Bachelorabschlüsse gleich (sic!) zu bewerten, was zu einer krassen Bevorteilung Studenten anspruchsloserer Universitäten führt, von FHs ganz zu schweigen.

Die WiSo-Fak hat versucht, dies durch eine intensive Profilierung der Masterfächer und hohe Kriterien auszugleichen, sodass viele allgemeine Studiengänge für eine Weiterbildung bei uns nicht reichen. Z.T. mit Erfolg: es gab insgesamt nur ca 1200 (Zahlen aus dem Kopf) legitime Bewerber auf einen M. Sc. – viel geringer als anderso. Von diesen waren 16% der Uni Köln, 35% der 225 Plätze wurden an diese vergeben.

Subjektive Kriterien wie ein Motivationsschreiben, bei welchem die Uni Kölner Studenten bevorteilen könnte, wurde vom Studiendekan mit der Begründung abgelehnt, dass die Verfahren nachvollziehbar sein müssten und sich dann andere Studenten einklagen könnten, wenn die Vergabe nicht sicher genug sei. Dass eine Klagewelle z.B. bei der Uni Münster bisher nicht passiert ist, wurde mit einer geringen bisherigen Absagequote begründet – auch kann ich diesen Punkt nachvollziehen – wer will schon zum Master nach Münster? Zumindest im Vergleich sollten in der schönsten (Party-)Stadt Deutschlands mit einem großen Renommee in Management und Economics die Anreize zum Klagen höher sein.

Relative Noten könnten die Misere zum Teil etwas insofern ausgleichen, als dass die Noten in Relation zum Schnitt gesetzt werden – als Ergebnis hätte man allerdings z.B. von allen Unis die X% besten – und dass es für die Kölner 10% fair wäre, mit den Kölner FH 10% gleichgesetzt zu werden, ist sehr fragwürdig. Und den notwendigen Schritt, die Notenschnitte zu gewichten, weiterzugehen, darf man ja nicht …

Zusätzliche Testverfahren sind eine Möglichkeit, allzu schlechte überbewertete Studenten von Unis wie z.B. Siegen *fg* auszusieben – allerdings hat die Universität hier versagt: vor vier Jahren wurde das Problem schon befürchtet (so der Studiendekan), allerdings hat man es nicht bisher geschafft, einen zufriedenstellenden Test erstellen zu lassen, der den Regularien (insbesondere maximalen Kosten von 100,- EUR pro Bewerber) gerecht wird. Dies soll nun aber bis zum nächsten Jahr passieren.

Auch der N.C. wird vermutlich dabei eine größere Rolle spielen – da die Uni Köln schon beim Bachelor höhere Abischnitte fordert, kann man hier wohl einen größeren Teil fremder schlechter Studenten aussieben, auch wenn der Abiturschnitt natürlich auch kein sehr faires und gutes Auswahlkriterium ist.

Für den aktuellen Bachelorabschluss-Jahrgang ist das natürlich alles vergebens, die Ärmsten müssen hoffen, über das Nachrückverfahren noch reinzukommen. Die zweite Runde wird wahrscheinlich, das konnte man indirekt heraushören, früher als geplant und mit einer höheren Überbuchungsrate eingeläutet. Nichtsdestotrotz werden sich die benötigten Bachelor-Endnoten wohl in den meisten Schwerpunkten nur um eine Dezimalstelle verändern. Eventuell wird man auch seinen Rang auf der Warteliste sehen können, auf den Vorschlag wurde verhalten reagiert: ob die Uni dies nicht will oder technisch nicht kann, war nicht festzustellen.

An dieser Stelle möchte ich noch etwas Werbung für einen eigenen Vorschlag machen: bisher werden 80% der Punkte zum Bewerbungsdatum verlangt. Wenn man diese Quote auf 100% erhöht und die Bewerbungsfrist Mitte Juli hält, kann man zumindest die Sommersemester vieler anderer Anstalten von unserer Uni fernhalten: nur die wenigsten (besten, klügsten) werden wohl ein ganzes Jahr auf ihren Versuch im nächsten Jahr warten.
Hierfür müsste man natürlich die Bachelorarbeiten früher schreiben (und vor allem bewerten) lassen, was zu einer höheren Belastung insbesondere in der BWL führen wird. Auch muss man die Korrekturprozesse in der Hinsicht verbessern, als dass der Grund “bin im letzten Semester” ausreicht, um die letzten Klausuren vor der Deadline korrigiert zu bekommen.

Das sollte natürlich nicht von den einzigen systemrelevanten Korrekturen ablenken: langfristig müssen sich die Notenschnitte der Universitäten anpassen, damit wir Kölner auch bei anderen Unis Chancen haben – denn natürlich darf man dort auch nicht bevorteilen, so blauäugig diese Forderung auch klingen mag. Dann ist auch die realitätsfremde politische Forderung, die Bachelornoten gleich zu bewerten, nicht mehr so sinnbefreit. Aber ob uns das noch helfen wird? Wie Keynes schon sagte: in the long run, we’re all dead!

 

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