Monthly Archives: April 2010

ZEIT ONLINE – Die Lage der Fed

Conrad Mattern beschreibt in seinem aktuellen Artikel Fed-Check Bernanke sucht Ausweg aus Inflationsfalle die Zwiegespaltenheit des Fed-Stabs was die Problematik einer drohenden Inflation angeht. Der Artikel ist zwar nicht wirklich gehaltvoll, nichtsdestotrotz eine interessante Kurzzusammenfassung der Lage und somit als Pausenfüller empfehlenswert.

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FAZ.NET – Kaufverhalten

Patrick Bernau fasst in seinem Artikel Wenn unsere Vorlieben sprechen könnten für die Frankfurter Allgemeine aktuelle Erkenntnisse der Behaviour Economics zusammen. Besonders betont wird dabei die Irrationalität des Kaufverhaltens, besonders beim spontanen Kaufverhalten. Auch über die Wirkung von verschiedenen Gefühlslagen beim Kaufen wird “philosophiert” – denn sehr weit sind Verhaltensökonomien noch nicht – leider. Denn viele Ökonome suchen hier und in anderen mikroökonomischen Modellen die Antwort für krasses Versagen der Märkte – auch bei der letzten Krise.

Der Artikel ist ein interessanter Lückenfüller für zwischendurch.


Hans-Werner Sinn: Kasino-Kapitalismus

Seit einer Woche lese ich nun bereits an Sinns Buch über “Wie es zur Finanzkrise kam, und was jetzt zu tun ist”. Es ist hervorragend geeignet für erste Semester der Wirtschaftswissenschaften, um ein tiefergehendes Verständnis für den Kollaps der gesamten Finanzbranche sowie den weiteren Verlauf der Krise zu bekommen.

Mit hervorragend tiefgehenden Blicken in das Finanzsystem, zeigt er, wieso keiner der Wirtschaftsakteure versagt hat, sondern falsche Anreize und fehlerhafte Spielregeln die Grundschuldigen sind – so z.B. auch, dass amerikanische Banken aufgrund von Diskriminierung verklagt werden konnten, wenn sie Insolventen oder Arbeitslosen die Finanzierung eines Eigenheims verweigerten.

Kasino-Kapitalismus ist wunderbar zu lesen, komplexe Inhalte und Produkte insb. der Finanzbranche werden leicht vermittelt, sodass der Leser selbst die Interdependenzen und Reaktionen nachvollziehen kann. Insbesondere Sinns fatale Analyse der Haftungsbeschränkungen und ihrer Folgen sind Erkenntnisse, welche ich jedem Studenten der Wiwi nur wärmstens empfehlen kann – lesenswert!

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The Economist: Base Camp Basel

Für andere Zwecke habe ich den Artikel vom Economist des 23.01.2010 zusammengefasst, hier für die Allgemeinheit. Es geht im Groben um die Problematik der Bankenregulierung – einer Gratwanderung zwischen Irrelevanz und Störungen des Wachstums.




Wie viel Kernkapital braucht eine Bank?
Es wird der Tradeoff zwischen Sicherheit und Wachstum betont: eine Bank, die keine Risiken eingeht, ist zwar zu 100% sicher, ihr Beitrag zu Investitionen und Wachstum ist aber eher gering. Die Kernfrage lautet also, wie hoch die Sicherheiten und die Eigenkapitalrate einer Bank seien müssen.

Eine erste Daumenregel, welche sich angeblich auch in Amerikas Stresstests bewährt hat, ist die der 4% Kernkapitalquote (risikobewertetes Kapital, neudeutsch: corce capital, risk-adjusted / risk-weighted assets). Wenn das Kapital unter diese Grenze sinkt, verliert eine Bank normalerweise das Vertrauen von Anlegern und die Gefahr eines Bankruns steigt.
Zusätzlich brauchen Banken Kapital, um die Vermögensverluste durch Abschreibungen während einer Krise zu überstehen. Auch die hierfür benötigten Mittel wurden mit etwa 4% bestimmt, sodass man insgesamt wohl eine Kernkapitalquote von 8-9% braucht, um größere Krisen zu überstehen.

Zusätzlich wollen Regulatoren riskantere Geschäfte mit zusätzlichem Kapital hinterlegen: diese sollen mit bis zum Dreifachen des normalen Kapitals hinterlegt werden. Desweiteren soll es besondere Strafen für Firmen geben, welche über besonders wenig Kapital verfügen – so sollen diese an der Ausschüttung von Dividenden gehindert werden.

Interdependenzen als Grundproblem
Nichtsdestotrotz gibt es ein Grundproblem, welches mit den bisherigen Maßnahmen nicht angegangen worden ist: das Bankensystem ist nur so stark wie sein schwächstes Glied. Sobald dieses reisst, wird es entweder von Dritten getragen werden müssen oder wird eine Kettenreaktion auslösen. Je riskanter die Geschäfte der Bank, desto höher die Schmelze. Als Beispiel der Extreme wird Merril Lynch geführt, welche 20% ihres Kernkapitals verloren hat, und somit mehr als 24% bräuchte, um die Mindestgrenze von 4% nicht zu unterbieten.

Da man aber des Wachstums wegen nicht alle Banken auf so hohe Raten verpflichten sollte, sucht man nach anderen Wegen, um die Hände dieser Banken aus der Steuerzahlers Taschen zu halten: sog. “quasi-capital” wird als offensichtliches Beispiel geführt, welches als zusätzlicher Schutzschirm und Maßnahme der letzten Rettung verbraucht werden soll, bevor es ans eingemachte (Kernkapital) geht.
Das Problem hierbei ist nur, dass Aussenstehende sehr schwer verschiedene und komplexe Darlehen der Bank verstehen und differenzieren würden: wenn die Bank nun diese Schutzhülle verbraucht, kann es für Aussenstehende so aussehen, als sei sie bereits in Gefahr – auch wenn dieser Verbrauch nur legitim und für besondere Zeiten geplant ist, sodass es bereits beim Ziehen dieser Schutzmaßnahme zu einem Run kommt. Es wird somit ein Schutzschild idealisiert, welchen man ziehen könnte, ohne den regulären Betrieb zu verlassen.

Contingent Convertible (Coco)
Dies sind Verbindlichkeiten, welche in schweren Zeiten zu Eigenkapital “mutieren”, ohne dass die Bank Insolvenz beantragen muss. Somit eine Mischung aus Verbindlichkeit und Wette auf die Solvenz der Bank – welche somit schon verhältnismäßig hoch verzinst werden muss. Klingt fast zu gut, um wahr zu seien – und genau das besorgt die Banker: “under extreme stress complex instruments rarely work as intended”. Auch hierbei besteht die Gefahr, dass wenn man diese Verbindlichkeiten aktiviert, man einen Run provoziert.

Between going concern and gone
Als letztes wird noch eine Alternative vorgestellt, ein Zwischenstatus der Bank. Diese wäre in zwei Wegen denkbar: zum einen eine Vollgarantie und -sicherung für sämtliche Teile der Bank, welche Spargelder und Einlagen verwaltet – so könnte man den Bankrun verhindern, es wäre allerdings höchst kompliziert. Alternativ könnte man Banken zwingen, Anleihen zu emittieren, welche im Krisenfall Verluste leiden und zum Teil “weg schmelzen” – ähnlich wie die Cocos. So oder so, auch hier hat man den selben Tradeoff: genügend Kapital zu sichern, um einen Run zu verhindern, ohne die Effizienz der Bank mit zu viel davon zu belasten.